„Seelenfall“ vom Brighton Verlag:

Mein zweiter Roman feierte sein Debüt im November 2018.

Mehr zum Inhalt des Jugendromans:

Eine verfangene Seele.
Ein kryptisches Ritual.
Ein neues Leben.
Ein fremdes Ich.

Mina, die sich >broken wings< nennt, ist unglücklich über sich selbst und all das, was ihre Welt ausmacht.
Doch plötzlich erzählt ihr Internetfreund >Nightmare< von einem verrückten Ritual, einem Seelentausch, der alles verändern könnte…

Wo bekomme ich es?

Bestellen könnt ihr „Seelenfall“ in jeder Buchhandlung.
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Bist du neugierig auf *Seelenfall*?
Über jedes Feedback, jede Meinung und jeden Gedanken freue ich mich sehr.

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Leseprobe: Kapitel 1 + 2

Kapitel 1: Seifenblase

Meine Flügel sind gebrochen.

Das war wohl der eine Satz, mit dem ich mich am besten beschreiben würde.

Ich war gerade mal fünfzehn Jahre alt.

Aber ich hatte schon genug von meinem Leben.

Alles fühlte sich verdammt unwirklich an. Als würde ich in einer Seifenblase sitzen. Ich konnte alles da draußen sehen, alles was da um mich herum geschah. Denn ich war ja auch mittendrin. Doch ich fühlte nicht, dass ich dazugehören würde. Ich war abgeschirmt, gefangen. Allein mit mir selbst. In dieser unsichtbaren, schummrigen Blase, die alles um mich herum verzerrte. Nichts drang so richtig zu mir durch. Alles, was da draußen war, prallte einfach ab. An dieser Blase und an dem müden, traurigen Etwas, das von mir noch übriggeblieben war.

Meine Eltern meinten, das wäre normal. Das man manchmal unglücklich war und einfach Zeit für sich brauchte. Dass es schwierige Momente gab, in denen man sich einfach wünschte, jemand anderes zu sein.

Aber ich wollte wirklich nichts sehnlicher, als jemand völlig anderes zu sein. Nicht bloß zufriedener, andere Menschen um mich herum, einen schöneren Körper oder auch nur irgendein gottverdammtes Talent besitzen.

Nein. Ich brauchte ein völlig neues Leben. Ohne Seifenblase. Ohne den traurigen Rest, der ich noch war.

Ich hatte das Gefühl, so gar nichts an mir leiden zu können. Nichts mit mir anfangen zu können, in dieser Blase, in der ich den lieben langen Tag so saß. Manchmal konnte ich mich so wenig ausstehen, dass ich mich nicht mal mehr im Spiegel anschauen konnte.

Auch das ist normal, behauptete Mum, an manchen Tagen fühlt man eben leider bloß all das Schlechte.

Aber mir ging es nicht nur an manchen Tagen so. Verdammt, mir ging es inzwischen fast jeden Tag so.

Alles an meinem Leben war schiefgegangen. Aller Wahrscheinlichkeit nach war ich ein missglücktes Probe-Exemplar, das man trotzdem auf die Erde geschickt und auf die Menschheit losgelassen hatte. Warum? Ich dachte, um zu zeigen, dass es immer noch schlimmer ging. Ja, ich war wohl so etwas wie ein Worst-Case-Szenario.

Seufzend setzte ich mich an den Computer. Eigentlich gab es nur einen Menschen, der mich verstand. Und ironischerweise kannte mich dieser jemand noch nicht mal. Das war schon ziemlich traurig, oder? Wenn dein einziger Verbündeter ein virtueller Name war, der dir aufmunternde Texte schrieb. Der einzige, dem du deine Sorgen anvertrauen konntest. Der einzige, der dir bedingungslos zuhörte.

Meinen Freundinnen hätte ich das nie erzählen können. Die hielten mich ja sowieso schon für verrückt. Noch schlimmer wollte ich das Ganze nun wirklich nicht machen. Ich glaubte, sie mussten sowieso schon viel zu viel mit mir aushalten. Meine ständigen Launen. Mein ständiges Jammern. Ich war wohl echt ein schwieriger Zeitgenosse. Darum rechnete ich es ihnen hoch an, dass sie mich noch nicht in den Wind geschossen hatten.

Außer Nightmare – außer ihn hatte ich wohl niemanden zum Reden. Und ja, das war wohl ein echtes Armutszeugnis.

Ich loggte mich in den Chat ein. Hoffentlich war er da. Heute war wieder ein ziemlich mieser Tag. Ein paar aufmunternde Worte konnte ich ja gut vertragen. Ich öffnete das private Chatfenster, durch das ich ihn ganz persönlich anschreiben konnte. Ohne, dass sonst jemand mitlesen konnte.

Ich war erleichtert, als ich das grüne Online-Symbol neben seinem Namen aufblinken sah. Schon lächelte ich. Er war meine Rettung!

Aber ehe ich ihm schreiben konnte, tat er es schon.

Nightmare:

Flügelchen!

Heute bist du aber früh da.

Broken Wings:

Hey Nighty.

Ja, gerade wünschte ich, ich könnte einfach im Internet verschwinden.

Und nicht mehr wieder rauskommen.

Nightmare:

Keine gute Idee.

Das Netz ist ein ziemlich verrückter Ort.

Broken Wings:

Aber immerhin gibt es dort dich.

Und ich bleibe vor meinem wirklichen Leben verschont.

Nightmare:

Du bist nicht besonders gut drauf, hm?

Broken Wings:

Hey, ich frage mich immer wieder, ob du nicht doch Gedanken lesen kannst.

Nightmare:

Wozu Gedanken lesen?

Ich sitze direkt in deinem Kopf.

Die schwirren also alle an mir vorbei. 

Broken Wings:

Also bist du meine innere Stimme?

Jetzt fühle ich mich schon so ein bisschen schizophren. 

Nightmare:

Jetzt mal im Ernst.

Was ist los? 

Broken Wings:

Ach, du weißt doch, ich komm‘ einfach nicht mit mir klar.

Das klingt zwar komisch, aber es ist verdammt nochmal so.

Und leider hat sich das über Nacht auch nicht plötzlich geändert. 

Nightmare:

Ich weiß gar nicht, was du hast.

Wenn ich es schon mit dir aushalte, dann müsstest du das doch auch können.

Bist du denn wirklich so schlimm?

Broken Wings:

Ach Nighty.

Du kennst ja nur ein paar Zeilen von mir.

Ein paar Worte, die ich dir Tag für Tag entgegen werfe.

Das ist was anderes, weißt du? 

Nightmare:

Wahrscheinlich schon.

Da will ich gar nicht widersprechen. 

Broken Wings:

Immerhin zeigst du Einsicht 🙂 

Nightmare:

Aber weißt du, ich glaube wirklich nicht, dass du so übel bist. 

Broken Wings:

Lieb von dir.

Meine Mutter sagt das auch immer.

Aber die muss das wohl auch sagen.

Sonst wäre sie ja nicht meine Mutter. 

Nightmare:

Als Chatpartnerin bist du jedenfalls ganz fantastisch.

Ich logge mich jeden Abend nur wegen dir hier ein. 

Broken Wings:

Du bist ein übler Schleimer, weißt du das? 

Nightmare:

Hey, kränke mich nicht.

Ich meine das ernst.

Ich habe dir heute sogar einen echten Freundschaftsdienst erwiesen. 

Broken Wings:

Warum?

Weil du dich dazu überwunden hast, dich doch wieder hier einzuloggen?

Um mit einer Nervensäge wie mir zu chatten? 

Nightmare:

Nein, das doch nicht. 

Broken Wings:

Was dann? 

Nightmare:

Jetzt bist du aber neugierig, was? 

Broken Wings:

Natürlich bin ich neugierig!

Wer A sagt, muss auch B sagen! 

Nightmare:

Wow, so altkluge Sätze?

Kenne ich gar nicht von dir.

Du musst wirklich verzweifelt sein. 

Broken Wings:

Verzweifelt vor Neugier – ja!

Jetzt komm, sag schon.

Was genau hast du denn heute getan? 

Nightmare:

Ich war in der Bibliothek. 

Broken Wings:

Wahnsinn!

Da bist du doch jeden zweiten Tag. 

Nightmare:

Naja, ganz so oft nicht.

Ich nehm‘ mir ja immer einen guten Vorrat an Lesestoff mit. 

Broken Wings:

Du bist wahrscheinlich der intelligenteste Mensch, den ich kenne. 

Nightmare:

Jetzt fängst DU aber mit dem Schleimen an. 

Broken Wings:

Macht ja nichts.

Vielleicht verrätst du mir ja dann endlich, was du dort gemacht hast? 

Nightmare:

Ich habe ein Buch mitgenommen. 

Broken Wings:

Wie verwunderlich!

Und das in einer Bibliothek.

Du bist echt der Wahnsinn, Nighty! 

Nightmare:

Ach, hör mir doch erst mal zu.

Ein Buch für DICH. 

Broken Wings:

Ein Buch für MICH? 

Nightmare:

Jepp. 

Broken Wings:

Aber wie willst du mir das geben?

Du weißt ja nicht mal, wo ich wohne.

Das könnten doch tausende von Kilometern irgendwo anders sein!

Das ist dir schon klar? 

Nightmare:

Lol. Schon mal was von Post gehört? 

Broken Wings:

Na gut, na gut.

Ich sage ja, du bist wesentlich schlauer als ich.

Aber das ist wohl auch keine große Kunst. 

Nightmare:

Mach dich selbst doch nicht so fertig.

Immerhin gehst du aufs Gymi.

Du kannst also gar nicht so schrecklich dumm sein. 

Broken Wings:

Ich mogel‘ mich nur durch.

Du bist hier der intelligente 2er-Schüler, der mit etwas mehr Motivation locker auch einen 1er-Schnitt hätte. 

Nightmare:

Zurück zum Buch.

Ich will‘s dir gar nicht schicken. 

Broken Wings:

Oh!

Ich dachte, du hast’s für mich geholt? 

Nightmare:

Ja.

Aber ich will‘s für dich lesen. 

Broken Wings:

Öhhh – muss ich das jetzt verstehen? 

Nightmare:

Müssen musst du gar nichts. 

Broken Wings:

Dann erklär‘s mir doch. 

Nightmare:

Du redest doch die ganze Zeit davon, ein anderer Mensch sein zu wollen. 

Broken Wings:

Und wenn DU dieses Buch liest, macht MICH das zu einem anderen Menschen, ja? 

Nightmare:

Vielleicht nicht ganz so einfach. 

Broken Wings:

Aber? 

Nightmare:

Das Buch handelt von Seelentausch. 

Broken Wings:

Bitte was?

Ist das eine Fantasy-Geschichte oder so? 

Nightmare:

Nein. Das Ding ist staubig und alt.

Es beschäftigt sich mit okkulten Ritualen.

Und im Zentrum steht dieser Seelentausch. 

Broken Wings:

Klingt ganz schön mystisch! 

Nightmare:

Ja, das fand ich auch!

Deswegen hab ich‘s ja auch mitgenommen.

Ich hab‘s ganz zufällig entdeckt.

Und musste sofort an dich denken. 

Broken Wings:

Hast du schon mal reingeguckt? 

Nightmare:

Ja, vorhin. 

Broken Wings:

Und????? 

Nightmare:

Es interessiert dich? 

Broken Wings:

NATÜRLICH INTERESSIERT ES MICH!

Frag doch nicht so blöd! 

Nightmare:

Wow, wow.

Ein bisschen netter könntest du schon sein. 

Broken Wings:

Tut mir Leid.

Da sind wohl die Buchstaben mit mir durchgegangen… 

Nightmare:

Es sei dir verziehen! 

Broken Wings:

Und? Verrätst du es mir trotzdem noch? 

Nightmare:

Sehe ich etwa aus wie ein Unmensch? 

Broken Wings:

Um ehrlich zu sein habe ich dich ja noch nie gesehen.

Ich habe ja nicht mal den Hauch einer Ahnung, wie du ausschaust.

Du könntest ja auch ein alter Knacker sein, der sich an meinen Worten aufgeilt. 

Nightmare:

Du kommst ganz schön vom Thema ab.

Im Übrigen könntest DU aber ebenso gut ein alter Knacker sein, der intelligente, bücherverschlingende Jungs heiß findet. 

Broken Wings:

Okay, okay, Patt!

Das ist jetzt ein klares Unentschieden. (Schnell mal meine Dritten und den Gehstock verstecken gehe!) 

Nightmare:

Du bist wirklich durchgeknallt. 

Broken Wings:

Ich hab‘ dich auch gern! 

Nightmare:

Also. Zurück zum Buch. 

Broken Wings:

Nichts lieber als das! 

Nightmare:

Ich bin mal kurz drüber geflogen.

Sah schon sehr krass aus.

Da sind sogar richtige Rituale drin. Vorgehensweisen, durch die man seinen Körper angeblich verlassen kann um  dadurch in ein anderes Leben zu gelangen. 

 Broken Wings:

Tatsächlich?

Das klingt alles so nach Hokuspokus.

Nach irgendeinem spirituellen Kram. 

Nightmare:

Ja, vielleicht. 

Broken Wings:

Oder am Ende sind das bloß Yoga-Übungen, durch die man sich INNERLICH neu fühlen soll! Eben wie ein anderer Mensch! 

Nightmare:

Nein, nein.

Danach sieht‘s nicht aus. 

Broken Wings:

Heißt das, du glaubst daran? 

Nightmare:

Das habe ich nicht gesagt. 

Broken Wings:

Was hast du dann gesagt? 

Nightmare:

Ich sage, dass das Buch eigenartig ist.

Und irgendwie auch unheimlich.

Etwas, das ernst genommen werden will.

Und vielleicht auch ernst zu nehmen ist.

Aber wie gesagt, so viel habe ich mir davon noch nicht angeschaut. 

Broken Wings:

Du machst mich echt neugierig. 

Nightmare:

Dann hatte ich heute wohl genau den richtigen Riecher, was? 

Broken Wings:

Naja, ich würde es mir auf jeden Fall gern mal anschauen. 

Nightmare:

Zu mir traust du dich wahrscheinlich nicht, hm?

Wer weiß, was ich perverser alter Mann sonst mit dir mache? 

Broken Wings:

Ja, genau.

Das sollten wir besser nicht riskieren.

Am Ende sind wir auch noch zwei verzweifelte alte Typen, die aneinander rummachen, in Ermangelung eines süßen kleinen Jugendlichen, der leider nirgends aufzutreiben ist. 

Nightmare:

Du bist verrückt, wirklich. 

Broken Wings:

Sage ich doch.

Und du bist der einzige, der‘s mit mir aushält. 

Nightmare:

Ich kann dir die ISBN durchgeben.

Dann bestellst du‘s dir einfach.

Broken Wings:

Das wäre fantastisch! 

Nightmare:

Willst du das wirklich? 

Broken Wings:

Das Buch? 

Nightmare:

Ja. 

Broken Wings:

Natürlich.

Kapitel 2: Mysteriöses Buch

Es war schwierig gewesen, dieses seltsame Buch überhaupt auftreiben zu können.

Normalerweise bekam man ja alles Mögliche bei Amazon hinterhergeschmissen, oder spätestens auf ebay wurde man fündig.

Aber diesmal – hatte ich das Internet ganz schön durchforsten müssen. Bis ich dann endlich auf einen Internetshop gestoßen war, der eines dieser Bücher gebraucht verkauft hatte.

Grübelnd betrachtete ich den zerschlissenen Einband. Das Ding sah ziemlich alt aus. Ich würde wetten, dass es davon einfach keine neue Auflage mehr gab. Es war sicher schon länger aus dem Verkehr gezogen worden. Genau deswegen war es auch so schwer, noch an ein Exemplar davon ranzukommen.

Wahrscheinlich dümpelten nur noch ein paar alte, gebrauchte Ausgaben in Bibliotheken herum. Und natürlich bei irgendwelchen komischen Leuten zuhause. …So wie jetzt bei mir. 

Aber hey, es war ja nur Glück für mich, dass ich da noch drangekommen war. Das komische Seelenbuch war zwar nicht gerade billig gewesen, aber das war es mir wert. Wenn Nightmare dachte, es könnte etwas für mich sein, dann wollte ich es auch lesen. Und selbst wenn in dem Ding nur Schrott geschrieben stand, dann hätten wir die nächsten Abende wenigstens etwas zum Lachen. Etwas, worüber wir grübeln konnten, dass wir gemeinsam hatten.

Ich grinste. Das allein fand ich schon ziemlich cool.

Mit diesem Buch – fühlte ich mich dem virtuellen Nightmare irgendwie näher. Es verband uns.

Ich setzte mich auf meine Couch und schlug das Buch auf.

Als ich erst mal mit dem Lesen anfing, konnte ich nicht mehr damit aufhören. Das Buch war verstörend, unheimlich, verrückt – und doch irgendwie magisch und anziehend.

Wahnsinn. Das klang zwar echt komisch, aber es war fast so, als wäre das Buch dazu bestimmt gewesen, in meine Hände zu fallen. Oder ich ihm.

Ich konnte meinen Blick nicht mehr von den Seiten lösen.

Nicht mal mehr aufs Klo gehen, etwas trinken, mich auch nur irgendwie ablenken lassen. Nicht mal zu Abend aß ich, als meine Mutter mich rief. Aber daran hatte sie sich wohl schon gewöhnt – dass ich das gemeinsame Essen manchmal entschieden ablehnte. Wenn ich wieder einen meiner besonders schlechten Tage hatte. Aber heute war es anders! Heute war ich nicht schlecht drauf. Nein, heute war ich einfach nur fasziniert von diesem verrückten Buch.

Irgendwann, als ich dann so etwa den Hauptteil des Buches hinter mir hatte, schaffte ich es doch, meine Augen wieder von den Seiten loszureißen.

Verwirrt warf ich einen Blick auf die Uhr. Was?! Es war schon drei Uhr morgens? Verdammt! Ich konnte gar nicht glauben, dass ich wirklich so viele Stunden in diesem Buch versunken gewesen war. Shit.

Morgen war der letzte Schultag vor den Sommerferien, und ich hatte nichts Besseres zu tun, als die ganze Nacht über dieses Buch zu verschlingen. Ich würde später in der Schule todmüde sein, dass war sowas von klar!

Zu meiner Beruhigung stand am letzten Tag zumindest nie besonders viel auf dem Programm. Gemeinsam Frühstücken, ein Haufen BlaBlaBla, dann die Zeugnisübergabe. Das bekam ich wohl oder übel auch noch völlig verschlafen hin. Das war ja nicht ganz so tragisch.

Wirklich schlecht war nur, dass ich Nightmare versetzt hatte. Wir trafen uns immer abends im Chat. Immer. Das war schon so sehr zu unserem Ritual geworden, dass es mir richtig leid tat, es total vergessen zu haben.

Hoffnungsvoll fuhr ich den PC hoch – und loggte mich gleich darauf in den Chat ein. Vielleicht hatte er mir ja eine Nachricht geschickt? Vielleicht konnte ich ihm ja schnell schreiben, dass ich die Zeit ganz vergessen hatte. Dass wir uns morgen wieder schreiben würden. Doch dann stockte mein Gesicht zwischen Überraschung und Freude – er war auch online!

Broken Wings:

Nighty!!!
Zum Glück! 

Nightmare:

Du kommst so spät noch online?
Ich bin wirklich überrascht. 

Broken Wings:

Ja! 🙂
Du bist doch auch da. 

Nightmare:

Ich bin oft hier. Zu dieser Zeit. 

Broken Wings:

Wirklich?

Mit wem schreibst du denn so spät noch? 

Nightmare:

Hey – etwa eifersüchtig? 

Broken Wings:

Quatsch.

Du darfst natürlich so viele Chatpartnerinnen haben, wie du magst. 

Nightmare:

Also führen wir eine offene Chatpartnerschaft, ja? 

Broken Wings:

Ich weiß nicht, ob ich das jetzt so bezeichnen würde.

Aber wenn dich das glücklich macht – okay. 

Nightmare:

Mich macht es glücklich, wenn ich deinen bezaubernden Buchstaben folgen kann. 

Broken Wings:

Wow, bist du betrunken?

Oder wirst du nachts nur schrecklich sentimental? 

Nightmare:

Nein, gar nichts von beidem.

Ich bin nur froh, dass du deinen virtuellen Hintern doch noch hierher bekommen hast.

Ich hatte schon Sorge, ich bekomme dich vielleicht nie mehr zu Gesicht. 

Broken Wings:

Hmh, das ist jetzt aber auch ein wenig dramatisch, oder? 

Nightmare:

Ja, irgendwie schon.

Aber feste Rituale und so, du weißt ja. 

Broken Wings:

Naja, jetzt bin ich ja da. 

Nightmare:

Lobet den Herrn! 

Broken Wings:

Willst du wissen, warum ich mich verspätet habe? 

Nightmare:

Will ich das? 

Broken Wings:

Ich denke schon.

Es war deine Schuld. 

Nightmare:

Meine Schuld?

Du hast das Buch gelesen? 

Broken Wings:

Und du kannst echt Gedanken lesen.

Oder spionierst du mir vielleicht nach? 

Nightmare:

Vermutlich beides. 

Broken Wings:

Du kannst einfach nicht ernst bleiben. 

Nightmare:

Du doch auch nicht. 

Broken Wings:

Ja, wahrscheinlich schreiben wir uns deswegen jeden Abend. 

Nightmare:

Und? Was sagst du zum Buch? 

Broken Wings:

WAHN-SINN! 

Nightmare:

Im wahrsten Sinne des Wortes. 

Broken Wings:

Ich werde es versuchen. 

Nightmare:

Was? 

Broken Wings:

Einen Versuch ist es doch wert. 

Nightmare:

Was verdammt wirst du versuchen? 

Broken Wings:

Na dieses Ritual.

Du weißt schon. 

Nightmare:

Willst du mich auf den Arm nehmen? 

Broken Wings:

Das würde ich nie wagen! 

Nightmare:

Ernsthaft?

Du willst das machen? 

Broken Wings:

Warum regt dich das so auf? 

Nightmare:

Weil… weil das völlig verrückt ist? 

Broken Wings:

Findest du? 

Nightmare:

Ja, das finde ich! 

Broken Wings:

Hey – entweder es klappt, oder es klappt nicht.

In beiden Fällen habe ich nichts zu verlieren.

Nightmare:

Ich habe das Buch zufällig auch gelesen.

Broken Wings:

Das weiß ich doch, und?

Nightmare:

Das ist okkulter Dreck.

Das ist kein Spaß.

Vielleicht wirst du völlig verrückt von dem ganzen Kram, was dann?

Broken Wings:

Ich probier‘s doch nur aus, Nighty.

Ich habe nie gesagt, dass ich jetzt an schwarze Magie oder sowas glaube.

Nightmare:

Ich habe kein gutes Gefühl dabei.

Broken Wings:

Hey, Nighty, komm’ schon!

Wer hat mir das Buch denn empfohlen? 

Nightmare:

Da hatte ich es noch nicht so genau gelesen.

Welches der Rituale willst du überhaupt machen?

Da gibt’s unzählige Varianten.

Und eine ist krasser als die andere! 

Broken Wings:

Weiß noch nicht so genau.

Ich will nochmal die Nacht drüber schlafen.

Und morgen hole ich dann die Sachen, die ich dazu brauche. 

Nightmare:

Na hoffentlich nicht die aufgeschlitzte Ziegenleiche. 

Broken Wings:

Um Gottes willen!

Für was hältst du mich? 

Nightmare:

Für jemanden, der tun will, was in diesem kranken Buch geschrieben steht. 

Broken Wings:

Ich werd’s auf meine Art und Weise machen, okay?

Nightmare:

Du willst ein kryptisches Ritual auf deine Art und Weise machen?

Das klingt nicht so, als würde es gut ausgehen.

Broken Wings:

Hey, vertrau‘ mir einfach!

Du sagtest doch ich bin nicht dumm.

Nightmare:

Oh scheiße.

Also, was genau hast du vor?

Broken Wings:

Lass uns morgen darüber sprechen, okay? 

Nightmare:

Versprichst du es? 

Broken Wings:

Was? 

Nightmare:

Das du mit mir sprichst.

Bevor du dieses Ritual machst. 

Broken Wings:

Okay. 

Nightmare:

Nein.

Nicht nur OKAY.

Versprich es mir.

Broken Wings:

Na schön.

Ich verspreche es dir. 

Nightmare:

Ehrenwort? 

Broken Wings:

Ich schwöre es auf unsere Chatpartnerschaft, ja? 

Nightmare:

Das ist ein Deal.

Solange du das nicht genauso schnell wieder vergisst, wie unsere allabendlichen Chattreffen. 

Broken Wings:

Wow, da ist aber jemand nachtragend. 

Nightmare:

Nein, nicht nachtragend.

Ich mache mir nur Sorgen.

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Schau hier den Trailer zu Seelenfall: